Die Mercedes-Benz 4MATIC

Mitte der 1980er-Jahre ist die Zeit reif, um den Allradantrieb auch in andere Personenwagen von Mercedes-Benz zu bringen. Doch das System muss überdacht werden, um die Anforderungen beispielsweise in einer Limousine zu erfüllen. Auf der IAA 1985 in Frankfurt/Main stellen die Ingenieure ihre Kreation einer breiten Öffentlichkeit vor: 4MATIC heißt der neue Allradantrieb. Er nutzt modernste Möglichkeiten und bedient sich auch der Elektronik, um in allen Fahrsituationen stets einen optimalen Antrieb zu bieten.
Es ist das Anti-Blockier-System, das 1978 die Grundlage für diese Technik legt. Denn darauf aufbauend entsteht die Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR), die das Spiel der Längskräfte zwischen Reifen und Fahrbahn nicht nur beim Bremsen, sondern erstmals auch beim Beschleunigen regelt und dabei sowohl auf die Bremse als auch auf das Motormoment einwirkt. Später folgen das automatische Sperrdifferenzial (ASD, 1985) und – gleichfalls 1985 – der innovative Vierradantrieb 4MATIC.

Gemeinsames Merkmal dieser Systeme ist es, den Radschlupf mithilfe moderner Mikroelektronik und Hydraulik zu erfassen und zu begrenzen, um die sogenannte Längsdynamik eines Automobils zu verbessern. Auch der Bremsassistent Brake Assist (BAS, 1996), das revolutionäre Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP, 1995) und das elektrohydraulische Bremssystem Sensotronic Brake Control (SBCTM, 2001) verwenden die ABS-Signale.
Die 4MATIC arbeitet permanent und verteilt im normalen Fahrbetrieb auf griffigem Untergrund die Antriebskraft zwischen Vorder- und Hinterachse. Das Verhältnis kann je nach Fahrzeugauslegung eingestellt werden, beispielsweise auf 40 : 60 oder auf 48 : 52 Prozent (Verhältnis Vorderachse zur Hinterachse). Damit bleibt der fahrdynamische Vorteil des Hinterradantriebs erhalten, zusätzlich erhält der Fahrer Sicherheitsreserven.
Ihr Debüt feiert die 4MATIC im Jahr 1987 in der Baureihe W 124. Ab der E-Klasse der Baureihe 210 kommt seit 1999 zusätzlich das Elektronische Traktions-System 4ETS zum Einsatz, das die Funktion von Differenzialsperren übernimmt und für ein noch besseres Vorankommen auf schlechtem Untergrund sorgt. 4ETS ist in das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP® integriert, dessen Regelung speziell an den Allradantrieb angepasst ist. Verlieren eines oder mehrere Räder auf rutschigem Untergrund die Traktion, bremst 4ETS die durchdrehenden Räder automatisch und individuell mit kurzen Impulsen und erhöht im gleichen Maße das Antriebsmoment an den Rädern mit guter Traktion. Dieser automatische Bremseingriff kann die Wirkung von bis zu drei Differenzialsperren simulieren.
Die 4MATIC zeigt ihre Stärken vor allem bei ungünstigen Wetterbedingungen wie Nässe, Glatteis oder Schnee durch vorbildliche Fahrstabilität und perfekte Traktion. Beim Anfahren, beim Beschleunigen, bei dynamischer Kurvenfahrt oder in unwegsamem Gelände sorgt das System für zusätzliche Traktionsreserven. Damit verstärkt der permanente Allradantrieb die ohnehin vorbildlichen Fahreigenschaften der Mercedes-Benz Fahrzeuge und bietet auch bei außergewöhnlichen fahrdynamischen Anforderungen die für Mercedes-Benz typische Sicherheit und Souveränität. Obwohl die zusätzliche Technik dem Auto etwas mehr Gewicht bringt und einen leicht höheren Treibstoffverbrauch verursacht, erfreut sie sich großer Beliebtheit, insbesondere in den gebirgigen Gegenden Europas, aber auch und gerade in Nordamerika.

4MATIC: Debüt in der Baureihe 124

Das neue System kommt 1987 zunächst in den Sechszylinder-Typen der Baureihe 124 mit Benzin- und Dieselantrieb auf den Markt. Es sind die Jahre des Übergangs, in denen Fahrzeuge mit Ottomotor nach und nach mit Abgaskatalysator ausgestattet werden, den Mercedes-Benz in der ersten Zeit wahlweise anbietet.
Dies sind die Debüt-Fahrzeuge der 4MATIC:

  • 260 E 4MATIC (125 kW/170 PS ohne und 118 kW/160 PS mit Katalysator)
  • 300 E 4MATIC und 300 TE 4MATIC (138 kW/188 PS ohne und 132 kW/180 PS mit Katalysator)
  • 300 D 4MATIC (80 kW/109 PS)
  • 300 D TURBO 4MATIC und 300 TD TURBO 4MATIC (105 kW/143 PS)

Diese Palette bleibt auch bei der Modellpflege im Jahr 1989 erhalten, jedoch steigen die Motorleistungen geringfügig – und bei den Ottomotoren sind nur noch die Versionen mit Katalysator erhältlich. 1992 werden die kleineren 4MATIC-Modelle aus dem Programm genommen, es bleiben die Dreiliter-Diesel- und Ottomotor-Fahrzeuge, jeweils als Limousine und als T-Modell. Die 4MATIC ist ab 1989 nur mit den Zweiventil-Ottomotoren lieferbar.

Beim aufwendigen Allradsystem des W124 wurden im Standardbetrieb ausschließlich die Hinterräder angetrieben. Falls notwendig, wurde von der elektronischen Steuerung automatisch auf permanenten Allradantrieb umgeschaltet, die Kraftverteilung (33:67 zugunsten der Hinterachse) und den Drehzahlausgleich übernahm dann ein Planetengetriebe. In zwei weiteren Stufen wurden, falls notwendig, die Hinterachse und das zentrale Differential gesperrt.

Betriebsarten:

  • Heckantrieb: Kupplung 1 geöffnet, Kupplung 2 geschlossen
  • permanenter Allradantrieb: Kupplung 1 geschlossen, Kupplung 2 geöffnet
  • Allradantrieb mit Längssperre: Kupplung 1 geschlossen, Kupplung 2 geschlossen
  • Allradantrieb mit Längs- und Quersperre an Hinterachse: Kupplung 1 geschlossen, Kupplung 2 geschlossen und zusätzlich Hinterachse gesperrt

In der neuen E-Klasse der Baureihe 210, die 1995 auf den Markt kommt, ist der optionale Einbau der 4MATIC von vornherein bei der Konstruktion berücksichtigt. Allerdings ist der Name des Systems zwar identisch zum vorherigen, doch die Technik hat sich deutlich geändert. Die neue 4MATIC besteht aus einem permanenten Allradantrieb mit einem einstufigen Verteilergetriebe, das für eine Kraftverteilung von 40 : 60 (Vorderachse:Hinterachse) sorgt. Er wird unterstützt vom Elektronischen Traktions-System 4ETS. Dieses ist abschaltbar, um beispielsweise auf Schnee insbesondere mit Schneeketten einen höheren Radschlupf zu ermöglichen. Produziert werden die E-Klassen im Werk Graz. Das Debüt der neuen 4MATIC findet zunächst im Februar 1997 im E 280 (204 PS/150 kW) statt, im Juni folgt dann der E 320 (224 PS/165 kW), jeweils auch als T-Modell.
Im Juni 1999 stellt Mercedes-Benz die umfassend überarbeitete Baureihe 210 vor. Mit ihr kommt der E 430 4MATIC (205 kW/279 PS) und – wenig später, im November 1999 – der leistungsstärkere E 55 AMG 4MATIC (260 kW/354 PS), die es beide wahlweise als Limousine und als T-Modell gibt. Die Fahrleistungen des AMG-Mercedes sind einem Sportwagen ebenbürtig: Von null auf 100 km/h beschleunigt beispielsweise die Limousine in nur 5,8 Sekunden und ist damit nur geringfügig langsamer als das Pendant mit Hinterradantrieb. Beide V8-Typen mit 4MATIC haben kürzere Achsübersetzungen als die Modelle mit Hinterradantrieb.

Die Vereinigten Staaten sind der größte Markt für Allrad-Automobile. Im Volumenjahr 2000 liefert Mercedes-Benz rund 66 Prozent der allradangetriebenen Limousinen und T-Modelle der E-Klasse (Modellreihe 210) in die USA. Der zweitgrößte Markt ist Deutschland mit einem Anteil von 11 Prozent an der 4MATIC-Produktion in der E-Klasse. Die Schweiz und Kanada sind mit 6 respektive 7 Prozent weitere wichtige Absatzmärkte.
Im Januar 2003 stellt Mercedes-Benz auf der North American International Auto Show in Detroit (NAIAS) die neue E-Klasse der Baureihe 211 vor. Vom Herbst 2003 an gibt es sie auch mit 4MATIC, und zwar für die Typen E 240 (130 kW/177 PS), E 320 (165 kW/224 PS) und E 500 (225 kW/306 PS), wiederum als Limousine und als T-Modell. Um eine größere Bodenfreiheit zu erzielen, ist die Karosserie bei den 4MATIC-Varianten der neuen E-Klasse um zehn Millimeter angehoben. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu den hinterradangetriebenen Versionen ist die ausschließliche Verfügbarkeit des Fünfgang-Automatikgetriebes. Ab dem E 320 sind auch die Achsübersetzungen kürzer ausgelegt als bei den hinterradangetriebenen Versionen.
Die Dieselmodelle E 280 CDI (140 kW/190 PS) und E 320 CDI (165 kW/224 PS) mit 4MATIC folgen im Juli 2005. Die drehmomentstarken Dieselmotoren werden als 4MATIC ebenfalls mit dem Fünfgang-Automatikgetriebe und mit längeren Achsübersetzungen als die zweiradangetriebenen Fahrzeuge geliefert. Aufgrund der Kombination des permanenten Allradantriebs 4MATIC mit den modernen CDI-V6-Motoren werden in puncto Sicherheit, Traktion, Durchzugskraft und Wirtschaftlichkeit neue Spitzenleistungen erreicht.

Mit der großen Modellpflege im Jahr 2006 sind wiederum alle Sechszylindertypen der Baureihe 211 auf Wunsch mit der 4MATIC lieferbar, also die Modelle E 280 (170 kW/231 PS) und E 350 (200 kW/272 PS) sowie die Dieseltypen E 280 CDI (140 kW/190 PS) und E 320 CDI (165 kW/224 PS). Darüber hinaus gibt es das Achtzylindermodell E 500 4MATIC (285 kW/388 PS). Alle kommen serienmäßig mit einem fünfstufigen Automatikgetriebe.

Traktion auf noblem Niveau: Die S-Klasse 4MATIC

Zum Modelljahr 2003 startet Mercedes-Benz eine Allradoffensive bei den Personenwagen. Insgesamt sind nun in fünf Modellreihen 32 Fahrzeuge mit der 4MATIC erhältlich. Damit reagiert das Unternehmen auf den Markt: Vor allem im Oberklasse-Segment entscheiden sich 2002 weltweit 10 Prozent der Neuwagenkäufer für eine Limousine mit Allradtechnik; 1999 hatte der Anteil solcher Fahrzeuge in diesem Marktsegment 7 Prozent betragen.
Im Rahmen der Allradoffensive erhält die S-Klasse (Baureihe W 220) in der zweiten Hälfte ihrer Laufzeit die 4MATIC, und zwar in den Typen S 350 (180 kW/245 PS), S 430 (205 kW/279 PS) und S 500 (225 kW/306 PS). Das Angebot umfasst gleichfalls die Varianten mit langem Radstand.
Die letzte S-Klasse der Baureihe W 220, die im Juli 2005 im Werk Sindelfingen vom Band läuft, ist übrigens mit der 4MATIC ausgestattet. Der cubanitsilberne S 430 4MATIC ist für einen Kunden in Nordamerika bestimmt.

Das Nachfolgemodell, die S-Klasse der Baureihe W 221, debütiert im September 2005. Mit Allradantrieb ist es ein Jahr später zu haben, die Premiere findet auf dem Auto-Salon Paris im September 2006 statt. Wie sich die Zeiten ändern: Dort steht der S 320 CDI 4MATIC (173 kW/235 PS), die erste Diesel S-Klasse mit Allradantrieb. Doch auch den S 350 (200 kW/272 PS), den S 450 (250 kW/340 PS) und den S 500 (285 kW/388 PS) bekommt man in einer 4MATIC-Ausführung, alle wiederum mit kurzem und langem Radstand.
Von März 2008 an offeriert Mercedes-Benz dann auch das Luxus-Coupé der CL-Klasse (C 216) mit Allradantrieb, im Modell CL 500 4MATIC. Kernstück ist das Siebengang-Automatikgetriebe 7G-TRONIC, das die Ingenieure speziell für Allradmodelle weiterentwickelt haben: Darin integriert ist ein Verteilergetriebe mit Zentraldifferenzial. Es verteilt das Antriebsmoment im Verhältnis 45 : 55 auf Vorder- und Hinterachse. Eine neu entwickelte Lamellenkupplung am Zentraldifferenzial überträgt die Motorkraft mit einer Grundsperrung von 50 Newtonmetern zwischen Vorder- und Hinterachse auf alle Räder, was auf rutschiger Fahrbahn ein noch besseres Anfahrverhalten und eine noch bessere Fahrstabilität bietet als bisher. Dabei arbeitet der Allradantrieb höchst effizient: Der CL 500 4MATIC verbraucht nicht mehr als das vergleichbare Modell mit Heckantrieb.

Auf Augenhöhe mit den anderen Limousinen: Die C-Klasse mit 4MATIC

Die C-Klasse der Baureihe 203 erhält ebenfalls im Rahmen der Allradoffensive 2003 die 4MATIC. Im Angebot sind die Sechszylindertypen C 240 (125 kW/170 PS) und C 320 (160 kW/218 PS), wahlweise als Limousine und T-Modell. Sie bekommen eine neu konstruierte Vorderachse nach dem McPherson-Prinzip statt des Dreilenkersystems. Das Lenkgetriebe rückt weiter nach hinten. Beide Fahrzeuge kommen serienmäßig mit einem fünfstufigen Automatikgetriebe.


Die beiden Typen werden im Werk Bremen hergestellt. Dort gehen die Allradvarianten bereits in der Rohbaufertigung ihren eigenen Weg, denn das Antriebssystem erfordert eine geänderte Karosseriestruktur, beispielsweise an den vorderen Längsträgern und den Integralträgern für Motor, Getriebe und Vorderachse.
Kurz nach der europaweiten Marktpremiere der C-Klasse der Baureihe 204 im Frühjahr 2007 sind vom darauffolgenden Sommer an die Sechszylindertypen C 280, C 350 und C 320 CDI auch mit Allradantrieb lieferbar, vom Herbst an auch das T-Modell C 320 CDI 4MATIC. Das 4MATIC-System zeigt sich grundlegend überarbeitet: Die Allradtechnik der neuesten Generation unterscheidet sich durch höhere Wirkungsgrade, geringeres Gewicht und kompaktere Bauweise von der bisherigen 4MATIC. Diese Vorteile machen sich durch günstigeren Kraftstoffverbrauch und noch bessere Traktion bemerkbar. Auch die Allradtypen der C-Klasse sind serienmäßig mit dem modifizierten Siebengang-Automatikgetriebe 7G-TRONIC ausgestattet.

Sport Utility Vehicle von Mercedes-Benz: Die M-Klasse

Mercedes-Benz betritt 1997 einen jungen Markt: Das Unternehmen kommt mit der M-Klasse (Baureihe W 163) auf den Markt. Das Sport Utility Vehicle (SUV) bietet sich für Geschäftsfahrten genauso an wie für Freizeitaktivitäten verschiedener Art, kurz: für die gesamte Mobilitätsbandbreite aktiver Menschen. Deshalb ist die M-Klasse auch generell mit dem Allradantrieb 4MATIC ausgestattet. Sie entsteht – eine weitere Premiere – komplett in den USA, mit Schützenhilfe aus den entsprechenden Fachabteilungen in Deutschland. In Tuscaloosa/Alabama baut das Unternehmen eigens ein Werk, und für die Entwicklung, Planung und Produktion wird die Mercedes-Benz U.S. International gegründet (MBUSI).
Der Projektentwicklungschef Gerhard Fritz hat die seltene Chance, zusammen mit seinem Team ein vollkommen neues Auto vom Erstentwurf an zu erschaffen. 1997 bekommt die Öffentlichkeit einen ersten Einblick in die Technik der M-Klasse. Das Chassis ist ein Rahmen aus geschlossenen Kastenprofilen, auf dem die Karosserie befestigt ist. Die Längsträger sind gekröpft und mit drei Querträgern verschweißt, was große Stabilität und Verwindungssteifigkeit bringt. Natürlich fließen die neusten Erkenntnisse der Sicherheitsforschung in die Konstruktion ein: Deformationselemente in den Querträgern vorne und hinten nehmen bei geringer Geschwindigkeit Aufprallenergie auf und halten sie so von den Längsträgern weg. Die Räder sind alle einzeln aufgehängt. Dieses Konzept sorgt für große Stabilität, verbunden mit vorzüglichem Fahrkomfort.
Dass das Fahrzeug zur Kategorie der SUV gehört, die vornehmlich auf guten Straßen bewegt werden und nur selten auf losen oder schlechten Grund kommen, resultiert im Fall der M-Klasse nicht in einer mangelnden Geländegängigkeit. Der Antriebsstrang ist von vornherein für permanenten Allradantrieb konzipiert. Ein Verteilergetriebe mit integriertem Zentraldifferenzial bringt die Antriebskraft im Verhältnis von 50 : 50 auf die Vorder- und die Hinterachse. Wie schon bei anderen 4MATIC-Fahrzeugen von Mercedes-Benz, ersetzt in der M-Klasse das 4ETS die Differenzialsperren. Ein Anti-Blockier-System gehört zur Grundausstattung, es ist speziell für den Geländeeinsatz ausgelegt und verhindert ab einer Geschwindigkeit von 8 km/h das Blockieren der Räder, unabhängig von der Bodenbeschaffenheit. Ist die Geländeuntersetzung aktiviert (Reduktion um 2,64), verkürzt ein spezielles Programm für Geschwindigkeiten von höchstens 30 km/h auf losem Untergrund den Bremsweg.

Ihre Premiere feiert die M-Klasse im Mai 1997 – natürlich in Tuscaloosa. Sie wird begeistert aufgenommen, die Fabrik kommt mit der Produktion zunächst kaum nach. Das liegt sicherlich an dem durchdachten Konzept inklusive des ansprechenden Designs und dem unternehmenseigenen hohen Sicherheitsstandard. Die M-Klasse vereint den Komfort und die Fahrsicherheit eines Personenwagens mit der Robustheit und der Schlechtwegetauglichkeit eines Geländewagens.
Die USA und Kanada kommen als erste Märkte in den Genuss der M-Klasse, und zwar mit dem ML 320 (160 kW/218 PS). Im März 1998 gelangen die ersten Fahrzeuge nach Europa, auf dessen Märkten zusätzlich der ML 230 (110 kW/150 PS) angeboten wird. Als weitere Variante folgt von 1998 an der ML 430 mit einem Achtzylinder-Ottomotor (199 kW/270 PS), wiederum zunächst für Nordamerika. Zum Oktober 1998 wird das Verhältnis der Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse auf 48 : 52 geändert, um auf Asphaltstraßen ein agileres Kurvenverhalten zu erhalten.
Die 100.000ste M-Klasse läuft im Februar 1999 vom Band. Im Mai wird Graz als zweite Produktionsstätte insbesondere für den in Europa außerordentlich wichtigen ML 270 CDI eröffnet, nachdem dort schon die G-Klasse und die E-Klasse 4MATIC gefertigt werden. Aber auch die anderen Typen der M-Klasse werden dort für Europa hergestellt. „Nachdem wir bereits in unserem amerikanischen Werk in Tuscaloosa die Produktionskapazität um 30 Prozent erweitert haben, starten wir jetzt mit der Produktion der M-Klasse in Graz, um der überaus großen Nachfrage nach diesem Erfolgsmodell in Europa gerecht zu werden und die Wartezeiten zu verkürzen“, sagt Jürgen Hubbert, damals im Vorstand von DaimlerChrysler zuständig für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Personenwagen.
Die Stückzahlen künden vom Erfolg der M-Klasse: Im August 1999 sind bereits rund 140.000 Stück produziert worden. Für das Modelljahr 2000 wird der Innenraum deutlich aufgewertet, denn hier hatte sich Mercedes-Benz mitunter herbe Kritik am Ambiente eingehandelt, gleichzeitig wird die Sicherheitsausstattung weiter verbessert.
Zwei neue Typen gelangen ins Lieferprogramm. Mit dem ML 270 CDI (129 kW/163 PS) holt der Hersteller für europäische Marktverhältnisse ein Versäumnis nach. Das Fahrzeug ist mit einem modernen CDI-Dieselmotor ausgestattet und kann in seiner Klasse mit hervorragenden Verbrauchswerten glänzen. Es entwickelt sich in der „alten Welt“ schnell zum großen Erfolg.
Der ML 55 AMG (255 kW/347 PS) hingegen ist ganz nach dem Geschmack der nordamerikanischen Kunden, er verwöhnt mit viel Leistung, Fahrkultur und einer umfangreichen Serienausstattung. Neben der Karosseriegestaltung in AMG Machart gehören zu den markanten Erkennungsmerkmalen unter anderem zwei „Power Domes“ in der Motorhaube, Auswölbungen, wie man sie vom Mercedes-Benz SLK kennt, sowie zwei verchromte Auspuff-Endrohre als besondere Kennzeichnung des Topmodells von hinten. Ein Zusatztank bringt 25 Liter mehr Treibstoffvolumen.
Der ML 55 AMG ist zunächst ausschließlich als Linkslenker lieferbar, erst vom Modelljahrgang 2002 kann der Volant auch auf der rechten Seite geordert werden. Aufgrund der modifizierten Fahrwerkabstimmung ist die Bodenfreiheit geringer als sonst bei der M-Klasse, und auch der Böschungswinkel ist vermindert – aber das dürfte bei diesem Fahrzeug, das vor allem für überlegene Fahrkultur auf Asphaltstraßen ausgelegt ist, von untergeordneter Bedeutung sein. Und mancher Kunde hat für die kernigen Aufgaben ohnehin zusätzlich eine G-Klasse in der Garage.
Von Herbst 2000 an ist das exklusive Ausstattungsprogramm designo auch für die M-Klasse erhältlich. Autofahrerinnen und Autofahrer haben damit die Möglichkeit, den Innenraum des Offroaders sehr individuell zu gestalten und besondere farbliche Akzente zu setzen.
Gleichzeitig präsentiert sich das Fahrzeug mit einem weiterentwickelten Allradantrieb, um schwierige Geländesituationen noch besser meistern zu können. Dem 4ETS sind neue Funktionen mitgegeben, die vor allem an starken Steigungen und bei der Bergabfahrt deutliche Vorteile bieten. Es kommt ein aktiv regelbarer Bremskraftverstärker zum Einsatz, der den Druck besonders schnell aufbaut. Dadurch kann das System durchdrehende Räder noch früher als bisher abbremsen. 4ETS dosiert die Brems-Impulse je nach Fahrgeschwindigkeit, Radbeschleunigung und Gaspedalstellung.
Bei eingeschalteter Gelände-Untersetzung, die in der M-Klasse mittels Druck auf die Taste „Low Range“ aktiviert wird, bleibt ein eventuell benötigter 4ETS-Bremsdruck jetzt auch bei Geschwindigkeiten unterhalb von 20 km/h konstant und ermöglicht somit eine noch bessere Traktion als bisher. Einen weiteren Pluspunkt bietet das modifizierte 4ETS beim Anfahren an steilen Hängen: Im „Low Range“-Modus arbeitet das System auch, wenn der Fahrer gleichzeitig Gas- und Bremspedal betätigt, damit die M-Klasse beim langsamen Anfahren nicht zurückrollt. Bisher war 4ETS in solchen Situationen nicht aktiv.
Auch auf rutschigen Gefällstrecken oder bei Steilabfahrten im Gelände steigert das modifizierte Traktionssystem die Fahrsicherheit. Die Elektronik erkennt solche Situationen automatisch und greift ein, wenn ein Rad die Bodenhaftung verliert und das Bremsmoment des Motors deshalb nicht in vollem Umfang genutzt werden kann. In diesem Fall bremst 4ETS die Räder mit gutem Bodenkontakt ab und übernimmt auf diese Weise die Rolle der Motorbremse. Dabei entspricht die vom Traktionssystem dosierte Bremskraft exakt dem Bremsmoment, das im Schubbetrieb normalerweise vom Motor zur Verfügung gestellt wird. Durch diesen Bremsdruckaufbau ist gewährleistet, dass die M-Klasse im Gelände mit konstanter Geschwindigkeit bergab fährt – ohne zusätzlichen Eingriff des Fahrers.
Im April 2002 läuft in Tuscaloosa die 400.000ste M-Klasse vom Band – eine beachtliche Zahl angesichts der seitherigen Produktionsdauer von gerade einmal fünf Jahren. Vom Modelljahr 2002 an kommt ein umfangreiches Modellpflege-Paket zum Tragen. Es bringt noch mehr Sicherheit, beispielsweise Window-Airbags, mehr Dynamik und mehr Fahrspaß. Das Design, der Innenraum, die Technik und die Serienausstattung des Allradautomobils sind deutlich aufgewertet. Die Stoßfänger sind neu gestaltet, die Scheinwerfer kommen in Klarglas-Optik daher, und die Blinker befinden sich jetzt in den Außenspiegeln. Im Innenraum gibt es eine neu gestaltete Mittelkonsole mit künftig in allen Modell-Varianten serienmäßigen Edelholz-Zierelementen. Die Klimaanlage ist grundlegend überarbeitet.
Dazu gibt es zwei weitere Motorvarianten. Der Dieselmotor des ML 400 CDI mit 184 kW (250 PS) zählt zu den leistungsstärksten Selbstzündern der Welt. Er beschleunigt das Allradautomobil in nur 8,1 Sekunden von null auf 100 km/h, ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 213 km/h und begnügt sich im NEFZ-Fahrzyklus mit nur 10,9 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer. Noch bessere Fahrleistungen bietet der neue ML 500 (215 kW/292 PS), der den bisherigen ML 430 ablöst. Sein V8-Triebwerk entwickelt ab 2700/min ein Drehmoment von 440 Newtonmetern und beschleunigt die M-Klasse in nur 7,7 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit des ML 500 beträgt 221 km/h.
In guter Tradition erhält der Vatikan im Jahr 2002 von Mercedes-Benz einen Papstwagen mit Sichtkuppel, diesmal auf Basis eines ML 430. Wie schon die Vorgängerfahrzeuge der G-Klasse wird die päpstliche M-Klasse in Perlmutt lackiert und innen weiß ausgestattet.
Im August 2002 findet der ML 320 einen Nachfolger im ML 350. Dessen Motor ist das aufgebohrte 3,2-Liter-Aggregat, das nunmehr 174 kW (235 PS) leistet. Die Produktion der Baureihe W 163 läuft im Dezember 2004 aus, bei einer verkauften Zahl von rund 650.000 Fahrzeugen.
Das Feld, das die M-Klasse der Baureihe 163 erfolgreich bereitet hat, übernimmt im Jahr 2005 die Nachfolgebaureihe 164, die im Januar auf der North American International Auto Show in Detroit erstmals präsentiert wird. Seit 2001 hat DaimlerChrysler bereits insgesamt 600 Millionen US-Dollar in die Erweiterung des Werks in Tuscaloosa investiert und damit die Produktionskapazität von 80.000 auf 160.000 Fahrzeuge im Jahr verdoppelt. Die Kapazitätserweiterung kommt nicht allein der M-Klasse zugute, sondern auch der R-Klasse, die ebenfalls im Jahr 2005 auf den Markt kommt.
Mit dem komplett neu entwickelten Premium-Offroader wird ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte dieser gerade für den US-Markt wichtigen Baureihe aufgeschlagen. Die neue M-Klasse geht mit modernster Technik wie beispielsweise drei neuen kraftvollen Motoren, dem serienmäßigen Siebengang-Automatikgetriebe 7G-TRONIC, dem erneut leistungsfähigeren Allradantrieb 4MATIC, der Luftfederung AIRMATIC und (optional) dem vorausschauenden Insassenschutzsystem PRE-SAFE® an den Start. Das Design setzt mit der flachen Frontscheibe, den markanten Kotflügeln und der nach hinten ansteigenden Schulterlinie betont sportliche Akzente; sie werden durch die Proportionen der Karosserie zusätzlich verstärkt: Gegenüber dem Vorgängermodell ist die neue M-Klasse 150 Millimeter länger (jetzt 4780 Millimeter), 71 Millimeter breiter (jetzt 1911 Millimeter) ) und fünf Millimeter niedriger (jetzt 1815 Millimeter mit Dachreling). Der Radstand vergrößert sich um 95 auf 2915 Millimeter.
Premiere in dieser Fahrzeugklasse hat der V6-Dieselmotor OM 642 in zwei Leistungsstufen. Er bietet eine Common-Rail-Direkteinspritzung der dritten Generation sowie modernste Piezo-Einspritzdüsen. Der ML 320 CDI leistet 165 kW (224 PS). Sechszylinder-Komfort und -Dynamik bietet künftig zudem der ML 280 CDI mit 140 kW (190 PS). Der Kraftstoffverbrauch der Dieselmodelle beträgt 9,4 bis 9,6 Liter je 100 Kilometer (NEFZ-Gesamtverbrauch) – damit zählt die neue M-Klasse zu den wirtschaftlichsten Offroadern ihrer Klasse. Ebenfalls neu in der M-Klasse ist der V6-Benzinmotor M 272 des ML 350 mit 200 kW (272 PS). An der Spitze des Motorenprogramms steht der Achtzylinder M 113 des ML 500, der jetzt 225 kW (306 PS) leistet.
Den permanenten Allradantrieb und das Traktionssystem 4ETS hat Mercedes-Benz weiterentwickelt und durch zusätzliche Funktionen wie Downhill Speed Regulation, Anfahr-Assistent und Offroad-ABS ergänzt. In puncto Allradtechnik stehen jetzt zwei Varianten zur Auswahl, die den unterschiedlichen Ansprüchen der Offroad-Fahrer entsprechen: Neben der Basisausführung ist auf Wunsch ein neues Offroad-Pro-Technikpaket lieferbar, mit dem die M-Klasse schwierigste Geländepassagen meistert. Es beinhaltet unter anderem ein Zweistufen-Verteilergetriebe mit „Low Range“-Untersetzung, manuell oder automatisch zuschaltbaren Differenzialsperren (100 Prozent) zwischen Vorder- und Hinterachse sowie an der Hinterachse und eine fürs Gelände modifizierte Luftfederung AIRMATIC, mit der die Bodenfreiheit um 110 auf bis zu 291 Millimeter und die Wattiefe auf bis zu 600 Millimeter angehoben werden können.
Modernste Assistenzsysteme aus der Mercedes-Benz Oberklasse unterstützen den Autofahrer, steigern Komfort und Sicherheit. So stattet Mercedes-Benz die M-Klasse auf Wunsch mit der neu entwickelten Klimatisierungsautomatik Multi-Zone-THERMOTRONIC, der Einparkhilfe PARKTRONIC und dem Bedien- und Anzeigesystem COMAND APS mit europaweiter DVD-Navigation aus. Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurven- und Abbiegelicht (Wunschausstattung) erhöhen die Fahrsicherheit bei Dunkelheit.
Die M-Klasse ist auch mit der ESP®-Anhängerstabilisierung ausgestattet. Sie eliminiert die gefürchteten Pendelschwingungen im Zugbetrieb – das sind Bewegungen um die Hochachse des Fahrzeugs, die sich je nach Fahrzustand bis zu einem kritischen Wert aufschaukeln können, ab dem es unmöglich ist, das Gespann zu stabilisieren: es gerät ins Schleudern, und ein schwerer Unfall kann die Folge sein. Die ESP® Anhängerstabilisierung erkennt diese Pendelschwingungen frühzeitig und baut sie ab, und zwar in zwei Stufen: In vielen Fällen können sie, wenn frühzeitig erkannt, bereits mit sanften Regeleingriffen an der Vorderachse unterbunden werden. Erst wenn ein zusätzliches Abbremsen zur Stabilisierung unumgänglich wird, passt das System die Fahrgeschwindigkeit an – ein Komfortgewinn für Fahrer und Passagiere. Die grundsätzliche Regelcharakteristik des ESP® behält im Übrigen die absolute Priorität, dessen Bremseingriff darf jederzeit jene der Anhängerstabilisierung überlagern.
Im August 2005 debütiert das neue Spitzenmodell ML 63 AMG. Er wird vom 6,3-Liter-V8-Motor M 156 von AMG angetrieben, der eine Leistung von 375 kW (510 PS) entwickelt. Dieses Allradfahrzeug überzeugt mit Fahrleistungen auf Sportwagenniveau: 5,0 Sekunden vergehen für den Sprint von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 250 km/h beschränkt.
Ein kleines Jubiläum wird im Juli 2007 gefeiert: 10 Jahre Mercedes-Benz M-Klasse. Die Marke legt das Sondermodell „Edition 10“ auf, das unter anderem 20-Zoll-Räder, Bi-Xenon-Scheinwerfer und neben dunkel hinterlegten Rückleuchten spezielle Karosserie-Farbakzente in Titan-Optik hat. Der Innenraum bietet beispielsweise eine zweifarbige Volllederausstattung, Sportinstrumente und Edelstahl-Sportpedale. Die zweite Generation der M-Klasse ist sehr erfolgreich: Seit der Markteinführung im April 2005 werden bis Oktober 2007 rund 250.000 Fahrzeuge an Kunden in aller Welt ausgeliefert.


Auf der IAA 2007 steht als eine der Novitäten von Mercedes-Benz der ML 450 HYBRID, dessen Marktstart für 2009 geplant ist. Er gilt als weltweit sparsamster Benzinhybrid der SUV-Klasse. Sein Two-Mode-Hybridsystem ermöglicht rein elektrisches Fahren, unterstützt aber auch bei Bedarf den Verbrennungsmotor (205 kW/279 PS) – die kombinierte Systemleistung beträgt 250 kW (340 PS), bei einem Verbrauch von lediglich 7,7 Litern auf 100 Kilometer. Der Kohlendioxid-Ausstoß liegt bei vorbildlich niedrigen 185 Gramm pro Kilometer.
Eine umfangreiche Modellpflege bringt der M-Klasse im März 2008 zahlreiche Neuerungen. Zum Beispiel optisch: Das Gesicht des Offroaders bestimmen künftig ein neu geformter Stoßfänger, Scheinwerfer mit neuen Konturen sowie ein größerer und dominanterer Kühlergrill. Die Heckansicht zeigt ebenfalls einen neu gestalteten Stoßfänger mit eingelegten Reflektorstreifen sowie Rücklichter in Rauchglasoptik. Auch der Typ ML 63 AMG hat neu gestaltete Front- und Heckschürzen. Deutlich erweitert ist zudem die Serienausstattung. Sie umfasst jetzt das vorausschauende Insassenschutzsystem PRE-SAFE® und NECK-PRO-Kopfstützen sowie ein von Mercedes-Benz neu entwickeltes Telematiksystem mit weiter verbesserter Bedienfreundlichkeit, hoher Rechengeschwindigkeit und vielen neuen Funktionen, beispielsweise eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und einen Aux-in-Anschluss zur Anbindung eines externen Musikspielgeräts.
In der neuen Generation der M-Klasse stehen fünf Triebwerke mit einer Leistung von 140 bis 285 kW (190 bis 388 PS) zur Verfügung. Durch Detailarbeit ist ihr Verbrauch gegenüber den Vorgängermodellen bis zu 0,4 Liter pro 100 Kilometer gesunken. Von 2009 an ist die M-Klasse auch mit BlueTEC-Antrieb zu haben. Das in Europa ab Mai 2009 bestellbare und ab Herbst 2009 lieferbare Modell ML 350 BlueTEC 4MATIC zählt zu den weltweit saubersten SUVs der Premiumklasse.
2009 feiert die M-Klasse auch ein Produktionsjubiläum: Im September 2009 läuft die einmillionste M-Klasse im Werk Tuscaloosa vom Band. Der ML 350 BlueTEC Diesel wird an einen Händler an der Westküste der USA ausgeliefert.
2010 stellt Mercedes-Benz das in Details überarbeitete Spitzenmodell der M-Klasse, den ML 63 AMG vor. In der Frontansicht zeigen sich die neue Motorhaube mit Powerdomes und abgedunkelte Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht. Am Heck trägt der ML 63 AMG abgedunkelte Leuchten in Klarglasoptik mit LED-Technologie.
Die Ära der Baureihe 164 endet im Sommer 2011 mit der Vorstellung der komplett neu entwickelten M-Klasse der Baureihe 166.

Ein neues Raumkonzept auf Rädern: Die Mercedes-Benz R-Klasse

New York, März 2005. Mercedes-Benz bringt eine Weltpremiere auf die International Auto-Show: die R-Klasse. Mit ihrem Fahrzeugkonzept vereint sie Vorteile bekannter Fahrzeugkategorien wie sportliche Limousine, Kombi, Van und Sport Utility Vehicle (SUV) zu einem neuen, eigenständigen Charakter. Dimension, Design und Dynamik sind seine herausragenden Merkmale. Im Herbst 2005 startet die R-Klasse zuerst auf dem nordamerikanischen Markt, europäische Mercedes-Benz Kunden erhalten das Fahrzeug ab Anfang 2006.
Die R-Klasse gibt es in zwei Größen mit 4922 und 5127 Millimeter Außenlänge. Damit hat sie das Format einer Oberklasse-Limousine. Im Innenraum bietet das neue Mercedes-Benz Modell jedoch deutlich großzügigere Platzverhältnisse.
Mit an Bord ist der eigene Mercedes-Benz Allradantrieb 4MATIC. Entsprechend groß ist die Palette des traktionsreichen Reise-SUV. Sie umfasst den R 280 CDI (140 kW/190 PS, ausschließlich mit kurzem Radstand), den R 320 CDI (165 kW/224 PS), den R 350 (200 kW/272 PS), den R 500 (225 kW/306 PS) und, als Topmodell, den R 63 AMG (375 kW/510 PS).
Das Konzept des 4+2-Sitzers entspricht dem Wunsch moderner Menschen nach einem Auto für Familie, Freizeit, Reise und Business – kurzum für jede Gelegenheit. So bietet die neue R-Klasse nicht nur großzügige Platzverhältnisse, vorbildliche Sicherheit und Top-Komfort für bis zu sechs Passagiere, sie fasziniert ebenso durch formale Ästhetik, repräsentativen Charakter und dynamischen Fahrspaß.


Aufgewertet wird die R-Klasse zum Sommer 2007. Neben der bekannten Konfiguration mit bis zu sechs Einzelsitzen ergänzen nun eine fünf- und eine siebensitzige Version das Angebot.
Äußerlich ist die R-Klasse des neuen Modelljahres unter anderem erkennbar an einem neuen Styling von Front- und Heck, runden Nebelscheinwerfern sowie 18-Zoll-Leichtmetallfelgen bei allen V6-Versionen. Das Topmodell R 500 4MATIC steht auf 19 Zoll großen Rädern. Neue Einstiegsmodelle gibt es auch – die Typen R 280 CDI, R 280 und R 350 mit Heckantrieb. Auch im Innenraum gibt es Neuerungen, beispielsweise einen Aux-in-Anschluss zur Anbindung externer Musikspielgeräte.
In der neuen Generation der M-Klasse stehen nun fünf Triebwerke von 140 bis 285 kW (190 bis 388 PS) zur Verfügung, deren Verbrauch durch Detailarbeit gegenüber den Vorgängermodellen um bis zu 0,4 Liter pro 100 Kilometer gesenkt worden ist. Dazu der ML 63 AMG 4MATIC mit 375 kW (510 PS) als Spitzenmodell.

Großraumfahrzeug mit Traktions- und Sicherheitsreserven: der Viano

Auch unter widrigen Verhältnissen souverän und sicher das Ziel zu erreichen, dies ermöglicht der Viano 4MATIC mit Allradantrieb, der im September 2005 auf der IAA in Frankfurt/Main seine Weltpremiere erlebt. Im Viano 4MATIC sind bis zu acht Personen in Alltag und Freizeit bei schwierigen Straßen- und Witterungsverhältnissen sicher unterwegs.
Die 4MATIC des Viano verteilt die Kraft im normalen Fahrbetrieb auf griffigem Untergrund im Verhältnis von 35 zu 65 Prozent auf Vorder- und Hinterachse. Der fahrdynamische Vorteil des Hinterradantriebs bleibt damit beim Viano 4MATIC nicht nur erhalten, er wird sogar verstärkt. Das Verteilergetriebe ist dirakt am Hauptgetriebe angeflanscht. Den Vorderachsantrieb haben die entwickler sehr kompakt gehalten, seine Ölfüllung ist auf Lebensdauer ausgelegt. Der Achsantrieb und die zusätzlichen Antriebswellen der Vorderachse sind wartungsfrei.
Anstelle von Differenzialsperren kommt das Elektronische Traktions-System 4ETS zum Einsatz, das sich bereits in anderen 4MATIC-Fahrzeugen bewährt hat. 4ETS ist in das für alle Modelle des Viano serienmäßige Elektronische Stabilitäts-Programm ESP® integriert, dessen Regelung speziell an den Allradantrieb angepasst ist.
Der Viano 4MATIC wird in den zwei Motorvarianten CDI 2.0 (80 kW/109 PS) und CDI 2.2 (110 kW/150 PS) mit Fünfgang-Automatikgetriebe geliefert, die sich mit ihrem kraftvollen Drehmoment und entsprechend hoher Durchzugskraft auch auf unwegsamem Untergrund bewähren. Der Viano 4MATIC hat einen Dieselpartikelfilter und entspricht dem Abgasstandard Euro 4/III.
Fahrleistungen und Kraftstoffverbrauch des Viano 4MATIC unterscheiden sich nur geringfügig vom Viano mit Hinterradantrieb. So beschleunigt der Viano 2.2 CDI in 14,7 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h. In Anbetracht von Fahrleistungen, Traktion und Fahrzeuggröße liegt der Verbrauch von nur 9,6 Litern pro 100 Kilometer im Norm-Drittelmix sehr günstig.


Zwar will der Viano 4MATIC nicht die Ansprüche an einen vollwertigen Geländewagen erfüllen, doch schreckt er keinesfalls vor leichteren Offroad-Fahrten zurück. In der Variante mit kurzem Radstand und kurzem Überhang liegt der Rampenwinkel bei 19 Grad, der Böschungswinkel beträgt 20/28 Grad (vorne/hinten), und die Bodenfreiheit beläuft sich auf rund 150 Millimeter vorne und 210 Millimeter hinten. Auch überrascht der Viano 4MATIC als Kletterkünstler: Er bietet, abhängig von Antrieb und Fahrzeugvariante, eine bis zu 20 Prozent verbesserte Steigfähigkeit. Da sich das Mehrgewicht des Allradantriebs auf nur 80 Kilogramm beschränkt, steht der Viano 4MATIC unverändert mit 2,77 und 2,94 Tonnen Gesamtgewicht zur Verfügung. Es gibt ihn in zwei Radstand- und drei Längenvarianten sowie als Reisemobil Viano MARCO POLO.

Ein leistungsstarker Geländewagen: Die GL-Klasse

Die GL-Klasse erlebt auf der North American International Auto Show in Detroit im Januar 2006 ihre Weltpremiere, das Europadebüt folgt im Februar in Genf. Das Messe-Highlight ist das erste Full-Size-SUV (Sport Utility Vehicle) von Mercedes-Benz. Ein besonderes Merkmal des kraftvollen und komfortablen Siebensitzers ist die im GL-Segment einzigartige selbsttragende Karosserie. Die äußerst robuste und geräumige Leichtbau-Konstruktion verschafft der neuen GL-Klasse im Wettbewerbsvergleich Vorteile in puncto Fahrkomfort, Dynamik und Sicherheit.
Zum Serienumfang gehört der permanente Allradantrieb 4MATIC. Zusammen mit der serienmäßigen Luftfederung AIRMATIC, der zielgenauen Parameterlenkung und dem ebenfalls serienmäßigen Adaptiven Dämpfungs-System ADS überrascht der stattliche GL mit einem beeindruckenden Handling.
Die moderne Motorenpalette garantiert in allen Modellen der GL-Klasse hohen Fahrkomfort und souveräne Fahrleistungen bei günstigen Verbrauchswerten im Klassenvergleich. Das Dieselangebot beinhaltet neben dem 165 kW (224 PS) starken V6-Motor OM 642 im GL 320 CDI auch die Neuauflage des leistungsstarken V8-Dieselmotors OM 629 im GL 420 CDI, der 225 kW (306 PS) leistet und ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern bereitstellt. Beide Selbstzünder unterbieten die Grenzwerte der Abgasnorm EU 4 und arbeiten mit wartungsfreiem Dieselpartikelfilter.
Darüber hinaus stehen für den GL zwei hochmoderne V8-Benziner zur Wahl, darunter der erstmals in der neuen S-Klasse eingesetzte 5,5-Liter-Motor M 273, der auch im GL 500 seine Leistung von 285 kW (388 PS) bereitstellt. Weltpremiere hat das zweite und jüngste Mitglied dieser modernen V8-Familie: Der 250 kW (340 PS) starke 4,6-Liter-Motor im GL 450 erfüllt wie sein größerer Bruder die strengen Euro-4-Grenzwerte und in den USA den LEV-II-Standard. Alle Motorvarianten des GL sind serienmäßig mit der Siebenstufen-Automatik 7G-TRONIC ausgerüstet. Die 7G-TRONIC trägt – unter anderem durch ihre breite Gangspreizung – ebenso zur Verbrauchsminderung bei wie die Leichtbauweise und die für diese stattliche Fahrzeuggröße gute Aerodynamik (cW = 0,37).

BlueTEC und Allradantrieb

Drei Fahrzeuge von Mercedes-Benz sind es, die als weltweit erste Diesel-SUV nicht nur die besonders anspruchsvollen Ziele der amerikanischen Bin-5-Abgasnorm erreichen, sondern auch das Potenzial haben, die strenge EU-6-Abgasnorm zu erfüllen und damit alle derzeit gültigen Abgasvorschriften: die Typen R 320 BlueTEC, ML 320 BlueTEC und GL 320 BlueTEC. Sie debütieren im Juni 2008 zunächst auf dem amerikanischen Markt. Ihre BlueTEC-Technologie ist auf höhere Fahrzeuggewichte ausgerichtet, dabei wird AdBlue®, eine wässrige harmlose Harnstofflösung, in den Abgasstrom eingespritzt. So entsteht Ammoniak, das im nachgeschalteten SCR-Katalysator bis zu 80 Prozent der Stickoxide zu unschädlichem Stickstoff und zu Wasser reduziert.

Kompakter Charaktertyp: Die GLK-Klasse

Auf der Auto China im April 2008 feiert die GLK-Klasse ihre Weltpremiere. Das markante Multitalent gibt dem Marktsegment der kompakten SUV mit seiner ebenso funktionalen wie attraktiv-prägnanten Karosserieform neue Impulse. Zudem vereint es bis dato gegensätzliche Eigenschaften: Dank Agility-Control-Fahrwerk trifft hier überragende Fahrdynamik und ausgezeichnete Fahrsicherheit auf hervorragenden Fahrkomfort. Das variable Allradsystem 4MATIC verbindet im Zusammenspiel mit den elektronischen Regelsystemen perfekte Leistung auf Asphalt mit ausgewogenen Fähigkeiten im Gelände. „Der GLK komplettiert unsere äußerst erfolgreiche SUV-Familie und überträgt Mercedes-typische Attribute wie Fahrkultur, Dynamik und Sicherheit in ein kompaktes Format. Damit liegt die Messlatte in diesem Marktsegment nun ein deutliches Stück höher“, sagt Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.
Der Marktstart geschieht mit vier Motorvarianten. Angeboten werden die Dieselvarianten GLK 220 CDI BlueEFFICIENCY (125 kW/170 PS) und GLK 320 CDI (165 kW/224 PS) sowie die V6-Ottomotor-Versionen GLK 280 (170 kW/231 PS) und GLK 350 (200 kW/272 PS). Alle Varianten haben serienmäßig das siebenstufige Automatikgetriebe 7G-TRONIC.
Im Winter 2010 macht Mercedes-Benz die 4MATIC zum Thema einer eigenen Werbekampagne mit Fernsehspot, Außenwerbung und Print-Anzeigen. Die Botschaft der Kampagne heißt: „ Es ist kalt, es ist nass. Es ist egal. Was den Winter jetzt noch gefährlich macht: der Weg zum Auto.“

Es ist ein guter Zeitpunkt, selbstbewusst die Stärken der 4MATIC herauszustellen. Denn mittlerweile bietet Mercedes-Benz zehn Baureihen mit Allradantrieb an, jüngster Zugang ist der CLS. Das viertürige Coupé ist erstmals mit Allradantrieb verfügbar in den Modellen CLS 350 CDI 4MATIC BlueEFFICIENCY und CLS 500 4MATIC BlueEFFICIENCY. Die 4MATIC mit der Momentenverteilung von 45 zu 55 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse und die Lamellensperre im Zentraldifferenzial mit einer Grundsperrwirkung von 50 Newtonmetern bieten dem CLS 4MATIC optimale Voraussetzungen: Es ermöglicht hohe Traktionswerte, weil mehr Antriebsmoment abgesetzt wird; und die Lamellensperre kann das Antriebsmoment auch variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verschieben, falls die Straßenverhältnisse das erfordern. So kann der Eingriff der elektronischen Regelsysteme wie ESP®, 4ETS und ASR möglichst spät erfolgen; ein Großteil des Antriebsmoments wird auch auf glatten Straßen in Vortrieb umgesetzt.
Im Winter 2010 umfasst das Allrad-Angebot von Mercedes-Benz auf dem deutschen Markt insgesamt 48 Pkw-Modelle in 10 Baureihen. Neben den neuen 4MATIC-Modellen der CLS-Klasse sind das Limousinen und T-Modelle der E-Klasse und der C-Klasse sowie die S-Klasse, das Luxuscoupé CL und das Reise-SUV R-Klasse, der kompakte GLK sowie die SUV der GL- und M-Klasse im Angebot. Schließlich spielt in der Modellpalette die G-Klasse weiterhin ihre Stärken abseits befestigter Wege aus. Der Geländewagen gilt nach wie vor als eines der besten Fahrzeuge seiner Art in der ganzen Welt.

Fotos: Daimler AG

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