Motorvarianten

Kaum eine andere Baureihe ist so vielseitig wie die Baureihe 124. Nicht nur durch die damals sechs bestellbaren Karosserievarianten sondern auch durch die reichhaltigen Motorvarianten.

Vom eher sparsamen, ruhigen 200D / E200D „Wanderdüne“ bis zum 500E / E500 „Wolf im Schafspelz“ ist für jeden etwas dabei. Sollte jedoch die 500er Variante doch noch zu langweilig sein wird man beim Haustuner AMG und natürlich den vielzähligen anderen Veredlern fündig.

BenzinmotorenDieselmotoren
4 – Zylinder1984 – 19934 – Zylinder1984 – 1993
4 – Zylinder1993 – 19964 – Zylinder1993 – 1996
6 – Zylinder1984 – 19935 – Zylinder1984 – 1993
6 – Zylinder1989 – 19965 – Zylinder1993 – 1996
8 – Zylinder1993 – 19956 – Zylinder1984 – 1993
6 – Zylinder1993 – 1996

Komplett neu konstruiert

OM 603

Viele Motoren der Baureihe 124 wurden komplett neu entwickelt. Von Grund auf neu konstruiert waren zum Beispiel die Sechszylinder-Einspritzmotoren vom Typ M 103 mit 2,6 und 3 Liter Hubraum in den Typen 260 E (118 kW/160 PS) und 300 E (130 kW/177 PS).

Die Vierzylindermotoren des Mercedes-Benz 200 (80 kW/109 PS) und des 230 E (100 kW/136 PS) stammten noch von der Vorgängerbaureihe 123 und gehörten zur Motorenfamilie M 102, der auch der Motor des 200 E entstammt. Die leicht modifizierten Achtzylindermotoren des Typs M 119 wurden 1990 in der Fünflitervariante vom SL in den 500 E (240 kW/326 PS) und 1992 aus der S-Klasse in den 400 E (205 kW/279 PS), hier mit 4,2 Litern Hubraum, übernommen.

Zur neuen Dieselmotoren-Generation gehörten alle drei Motoren der Baureihe 124. Der OM 601 des Typ 200 D (53 kW/72 PS) arbeitete mit gleichen Leistungsdaten auch im Typ 190 D der Kompaktklasse. Neu in der Baureihe 124 waren die Fünfzylinderversion OM 602 mit 2,5 Liter Hubraum im 250 D (66 kW/90 PS) und der 3-Liter-Sechszylinder OM 603 im 300 D (80 kW/109 PS).

Saubere Turbodiesel

Bei den ab September 1988 wirksamen Änderungen, die gleichzeitig auch beim Dreiliter-Turbodiesel erfolgten, stand eine Verringerung des Partikelausstoßes durch Verbesserung des Verbrennungsablaufs im Vordergrund. Erreicht wurde dieses Ziel mittels Verwendung einer neu konstruierten Vorkammer mit Schrägeinspritzung, die eine effizientere Verbrennung gewährleistete. Nebeneffekt der neuen Diesel-Technologie war eine Leistungssteigerung von 2,9 kW (4 PS) bei beiden Motoren.

Das äußere Erscheinungsbild des 250 D Turbo entsprach hinsichtlich der zusätzlichen Lufteinlassöffnungen dem Schwestermodell mit Dreiliter-Maschine. Alle Typen der Baureihe erhielten im September 1988 eine erweiterte Serienausstattung, zu der nun auch das Antiblockiersystem ABS und ein beheizter rechter Außenspiegel gehörten. Die aus der S-Klasse übernommene Scheibenwaschanlage wurde bei dieser Gelegenheit mit einem beheizten Waschbehälter sowie beheizten Düsen und Schläuchen versehen.

Initiative Diesel ’89

Im Rahmen der Initiative „Diesel ’89“ wurden im Februar auch die nicht aufgeladenen Diesel-Pkw mit überarbeiteten Motoren ausgerüstet. Sie erhielten ebenfalls die neuen Vorkammern mit Schrägeinspritzung. Auch bei den Saugmotoren wirkte sich die neue Diesel-Technologie in einer Leistungssteigerung von 2,2 kW (3 PS) beim 200 D, beziehungsweise 2,9 kW (4 PS) bei 250 D und 300 D aus. Außerdem bekamen die Einspritzpumpen aller Diesel-Saugmotoren eine Höhenkorrekturdose, um die Emissionen auch bei Höhenbetrieb niedrig zu halten. Die verbesserten Typen, deren Partikelemission um 40 Prozent sank, erfüllten auch ohne Rußfilter die strengen in den USA geltenden Partikelgrenzwerte und arbeiteten nahezu rauchfrei.

Noch weiter reduziert wurden die Schadstoffemissionen mit Hilfe einer aufwendigen Abgasreinigungsanlage, bei der ein speziell für Dieselmotoren entwickelter Oxidationskatalysator mit einer sorgfältig abgestimmten Abgasrückführung kombiniert wurde. Dieses sehr effiziente System war von Oktober 1990 an für Diesel-Pkw mit Saugmotor, ein halbes Jahr später dann auch für die Typen mit Turbomotor als Sonderausstattung erhältlich.

Fahren mit Pflanzenöl

Im Zuge der immer weiter steigenden Preise für fossile Kraftstoffe haben die Zweiventil-Dieselmotoren des W 124 eine gewisse Berühmtheit dadurch erlangt, dass sie ohne weitere Umbauten mit reinem Pflanzenöl gefahren werden können.

Da die Vorkammerdieselmotoren OM 601 und OM 602, sowie OM 603 mit robusten Bosch-Reiheneinspritzpumpen ausgestattet sind, sind im Gegensatz zu den anderweitig oft verwandten Verteilereinspritzpumpen keine Probleme bei der Verwendung von nicht spezifizierten Kraftstoffen, wie etwa Pflanzenöl, zu erwarten.

Durch die Konstruktionsweise der Reiheneinspritzpumpe hat die Viskosität des Kraftstoffs keinen Einfluss auf die Regelung des Spritzverstellers. Dadurch ist der gesamte Motor etwas weniger anfällig für Probleme im Kraftstoff-System (Luft, verstopfter Filter usw.). Auch die bei den Reihen-Einspritzpumpen oft verwendete Kolbenvorförderpumpe ist meist weniger empfindlich als die in den Verteilereinspritzpumpen verwendete Flügelzellenpumpe, welche bei längerer Standzeit und vor allem auch Luft im System, verkleben und funktionslos werden kann.

Für die kalten Wintermonate empfiehlt es sich dennoch einen zusätzlichen Wärmetauscher zur Kraftstofferwärmung einzubauen. Durch diese Maßnahme verbessert sich die Fließfähigkeit des bei niedrigen Temperaturen zähflüssigen Pflanzenöls.

Des Weiteren kann man durch verschiedene Einstellungen, wie zum Beispiel des Düsenöffnungsdrucks, des Förderbeginns und der Optimierung der Kraftstoffversorgung dem typischen „Pommesbudengeruch“ vorbeugen. Auch wird dadurch der Kaltstart mit Pflanzenöl verbessert sowie das Verhalten bei Volllast.

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