W124 tief, breit und leergeräumt

Die Vertreter der äußerst erfolgreichen Mercedes-Baureihe 124 zeichnen sich üblicherweise durch sein klassisches, unaufgeregtes Design mit klaren, geraden Linien aus. Nicht zuletzt dank ihrer langlebigen Motoren sind sie damit bis heute nicht selten als weitgehend unveränderte Liebhaberstücke auf unseren Straßen unterwegs, die teilweise bereits den Oldtimer-Status erreicht haben und somit mit H-Zulassung ihren Lebensabend genießen. Dass es jedoch genauso gut komplett anders kommen kann, zeigt das hier gezeigte Exemplar von Tom Maes, ein krasser Widebody-Eyecatcher auf Basis der Limousine W 124.

Der 26-jährige Belgier, der seinen Unterhalt als Schweißer verdient, kaufte den Stuttgarter in Folge eines Tipps durch seinen Kollegen. Er entschied sich für den in gutem Zustand und ohne Roste erhaltenen 200 E als Nachfolger für seinen Airride-Audi A3, da er nach eigener Aussage, „etwas anderes“, also etwas besonderes ist – und da kann man ihm nur zustimmen, gerade im Hinblick auf den aktuellen Zustand des Mercedes‘: Ein derartiges Fahrzeug findet man sowohl im Tuning- als auch im 124-Lager wahrlich selten.

Breitbau & Custom-Stahlfelgen

Die extreme Verbreiterung der Karosserie wurde mit Hilfe von Kotflügelaufsätzen bewerkstelligt, die ebenso pechschwarz sind wie die Außenspiegel und der sonst meist silbrig glänzende Kühlergrill. Sie stammen aus der Produktion der in Moskau beheimateten Widebody-Spezialisten von Clinched und sind von außen sichtbar verschraubt. Damit passen sie perfekt zum übrigen Look des W 124: Trägt dieser doch eine aufwändige Vollfolierung von Wrap Junkies aus dem niederländischen Bergeijk. Diese verleiht ihm, dank des Looks von altem, blankem Metall, teilweise in Riffelblech-Optik und mit zahlreichen angedeuteten Schrauben und Nieten, die sich über die gesamte Karosserie verteilen, das Erscheinungsbild eines Düsenjets. Hinzu kommen weitere Details wie Gasmasken auf den hinteren Seitenteilen, ein „SICK AS FUCK“-Schriftzug an der Heckklappe sowie zwei schwarze Rennstreifen, die sich von der Motorhaube bis zur hinteren Schürze ziehen. Schwarz sind ferner die Felgen in den riesigen Radkästen: Hier ließ sich Tom ebenfalls etwas ganz besonderes einfallen. Er entschied sich für simple Stahlräder, die jedoch eine starke Verbreiterung erhielten und damit nun die üppigen Abmessungen 10×17 sowie 11×17 Zoll besitzen. Die aufgezogenen Reifen besitzen dabei die Dimensionen 225/35 R17 und 245/40 R17, sodass sie sich mächtig über die Felgen strecken müssen. Ein AMG-Bodykit und schwarze Rückleuchten runden das Exterieur ab.

Spartanischer Innenraum

In der Fahrgastzelle führt der Mercedes den metallischen und reduzierten Look eines Jets konsequent fort. Die erste Umbaumaßnahme – direkt nach dem Kauf – war für Tom, den Innenraum komplett leerzuräumen, also sämtliche Verkleidungen und Ausstattungen zu entfernen. Stattdessen verbaute er eine äußerst reduzierte, eigenangefertigte Mittelkonsole, Schalensitze sowie eine angedeutete, aber aufgrund der über sie hinweg verlaufenden Gurte für die vorderen Sitze nicht wirklich nutzbare, Rückbank und einen Überrollbügel – allesamt aus Metall. Speziell bei letzterem war es für Tom in seiner Funktion als Schweißer natürlich eine Frage der Ehre, diesen selbst herzustellen. Mit diesem Interieur erfuhr der Mercedes zwar eine perfekte Ergänzung seines Konzepts, verlor jedoch auch einen großen Teil seines Komforts – besitzt er doch noch nicht mal eine Sitzpolsterung.

Mächtiger Tiefgang dank Airride

Eine der wenigen technisch und wirklich modern anmutenden Komponenten im Cockpit ist die e-Level-Bedieneinheit. Denn Tom ließ, wie schon in seinem A3, auch bei seinem Mercedes selbstverständlich eine Luftfederung verbauen, um die Limousine möglichst weit abzusenken. Den Einbau übernahmen die nicht nur in ihrem Heimatland Belgien, sondern sogar über die Landesgrenzen hinweg bekannten Airride-Spezialisten von Kean Suspensions aus Evergem. Abgesehen davon erhielt der W 124 hingegen bisher noch keine technischen Verfeinerungen. Unter der Haube des 200 E arbeitet dementsprechend nach wie vor ein Vierzylinder mit Saugrohreinspritzung, der aus seinem zwei Liter großen Hubraum eine Leistung von 118 PS schöpft. Diese Kraft wird mittels einer Viergang-Handschaltung an die hinteren Räder übertragen. Doch eine Modifikation der Antriebseinheit ist bereits in Planung. Nach Abschluss der laufenden Saison möchte Tom einen BMW-Triebwerk unter die Haube seines Stuttgarters bringen. Der soll zwar den gleichen Hubraum besitzen, dieser wird sich dann aber wohl nicht nur auf vier, sondern gleich sechs Zylinder verteilen. Dann wird der Mercedes nicht mehr nur optisch, sondern wohl auch antriebsseitig eine wahre Ausnahme im Kreise seiner W 124-Brüder sein.

 

(Artikel: Simon Mombartz von Eurotuner.de/ Fotos: Mike Crawat)

Vielleicht gefällt dir auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: